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Lebensmittel per Mausklick

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Erinnern Sie sich noch an die Zeit, in der es den kleinen Tante Emma Laden um die Ecke gab? Dieser kleine schnuckelige Laden bot nicht sonderlich viel Auswahl und das Sortiment war nicht das größte. Dennoch konnte man dort so ziemlich alles kaufen, was man im Alltag benötigte. Mittlerweile ist der Tante Emma Laden Geschichte, denn nach der Zeit der riesigen Supermärkte und günstigen Discounter folgt nun das digitale Zeitalter.

Neben Bekleidung und Elektrogeräten nutzen auch immer mehr Lebensmittelhändler und -hersteller die Chance, ihre Produkte online zu verkaufen. Zwar macht der digitale Handel mit Lebensmitteln gemessen am Gesamtumsatz der Branche bisher nur einen geringen Teil aus, doch sagen Experten wie das Marktforschungsinstitut GfK innerhalb der nächsten zehn Jahre einen nachhaltigen Durchbruch voraus.[1] Für uns von konsum-marketing.de Grund genug, die aktuellen Möglichkeiten des Onlineshoppings für Händler von FMCG-Marken einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was denken die Konsumenten?

Im Bereich der Modeindustrie ist Onlineshopping besonders beliebt. Mal eben ein paar Schuhe bei Zalando zu bestellen, gehört fast schon zum Alltag eines jeden Deutschen. So belegten Kleidung und Schuhe auch im Jahr 2016 Platz 1 im Ranking der beliebtesten Produkte beim Onlineshopping in Deutschland.[2]

Im Bereich Lebensmittel zeigt sich dagegen anderes Bild, denn hier sind die Konsumenten noch skeptisch. Aus einer aktuellen Forsa-Umfrage geht hervor, dass nur rund 20 Prozent der Befragten dem Onlinehandel von Lebensmitteln positiv gegenüber stehen. Rund 70 Prozent lehnen den Onlinehandel dagegen ab. Sie äußern Bedenken wie eine mangelnde Produktqualität und Umweltverträglichkeit.[3]

Um dieses Meinungsbild ins Positive zu wenden, müssen Onlinehändler bestehende Vorurteile vorerst abbauen. In der Theorie klingt das jedoch deutlich einfacher als es in der Praxis letztlich ist. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren für den Lebensmittel-Onlinehandel sind Vertrauen, frische Produkte, Qualität und eine große Auswahl. Doch besonders an Vertrauen mangelt es derzeit. Um dieses zu stärken und das bestehende Meinungsbild langfristig zu verändern, bedarf es jeder Menge Geduld und Beständigkeit. Die Vorteile des Onlinehandels dabei immer wieder in den Fokus der Kommunikation zu stellen, ist hierbei elementar.

Der Mensch ist faul

Ein ganz bedeutender Vorteil des Onlinehandels ist die Bequemlichkeit. Laut Statistik kaufen rund 55 Prozent der Befragten manchmal lieber im Internet, da der Einkauf in einem Onlineshop bequemer ist als im Geschäft. Verständlich, denn wer den Einkaufskorb mit nur wenigen Klicks von zu Hause befüllen kann, spart Zeit und ist nicht an die Öffnungszeiten des stationären Einzelhandels gebunden.

Ebenfalls 55 Prozent der Befragten bevorzugen den Einkauf im Internet, da hier die Möglichkeit der direkten Lieferung besteht.[4]  Ein Lieferservice kommt besonders den allzeit beschäftigten Workaholics und den eher trägen Couch Potatoes gelegen. Der Wunsch nach Bequemlichkeit – sowohl im Einkauf als auch bei der Lieferung – ist der Grund dafür, dass immer mehr Lebensmittelhändler die Produkte ihrer Shops mit weiteren Services verknüpfen.

Diese Möglichkeiten gibt es bereits

Zum aktuellen Zeitpunkt nutzen Lebensmittelhändler und –hersteller folgende Möglichkeiten, um ihre Produkte auf dem digitalen Wege zu vertreiben bzw. an den Endverbraucher zu liefern:

Bestellung im Onlineshop – Lieferung per Lieferservice

Mit der Rubrik „Deine Küche“ bietet REWE neben dem eigentlichen Onlineshop zahlreiche Rezepte und Ernährungstipps. Wählt der Kunde eines der Rezepte aus, kann die Menge der Zutaten für die gewünschte Personenanzahl berechnet und anschließend direkt im Onlineshop bestellt werden. Die Lieferung erfolgt durch den unternehmenseigenen Lieferservice. Auf diese Weise macht REWE seinen Kunden nicht nur das Einkaufen, sondern auch das Zubereiten der Speisen so bequem wie möglich.

Anbieter wie Bringmeister oder Food.de gewähren ihren Kunden einen solchen Service, indem sie mit der bekannten Kochwebsite Chefkoch.de kooperieren und die passenden Produkte zu den verschiedensten Rezepten des digitalen Kochbuchs anbieten.

Seit Anfang Mai liefert auch Internetkonzern Amazon im Rahmen seines Dienstes Amazon Fresh frische Lebensmittel. Und wie es sich für einen Versandriesen gehört, zieht Amazon seinen Lieferdienst gleich eine Nummer größer auf als beispielsweise REWE. Im Verbreitungsgebiet Berlin und Potsdam bietet Amazon Fresh ein Sortiment von rund 85.000 Produkten, darunter zahlreiche Bioprodukte und Waren aus diversen Berliner Feinkostläden. Im REWE-Onlineshop gibt es vergleichsweise nur 9.000 Produkte.[5]

Bestellung im Onlineshop – Selbstabholung

Ein alternatives Konzept zum Lieferservice bietet EDEKA mit der EDEKA BOX. Die erste und bisher einzige Frischebox für Selbstabholer steht auf dem Parkplatz des E-Centers in Gaimersheim. Der Kunde wählt die gewünschten Produkte im EDEKA-Onlineshop aus und holt diese zu einem beliebigen Zeitpunkt ab. Ein gekühlter Container mit einzelnen Schließfächern sorgt dafür, dass eine fachgerechte Kühlung der Lebensmittel gewährleistet ist. Die mit einem Code zu öffnenden Fächer ermöglichen es, dass der Kunde seine Ware schnell und ohne langes Anstehen an der Kasse bekommt. Wer es doch bequemer mag, der greift auf Möglichkeit 1 zurück und verzichtet auf die Selbstabholung. Auf Wunsch erfolgt die Lieferung auch per Lieferservice.

In der Frische liegt die Krux

Mit Blick auf das eigene Einkaufsverhalten wird deutlich, dass unsere Sinne besonders beim Kauf von Lebensmitteln eine enorme Rolle spielen. Anfassen, riechen und vielleicht sogar schmecken – all das ist beim Onlineshopping bisher nicht möglich. Der Konsument muss blind auf die Frische der Produkte vertrauen und kann diese nicht selbst überprüfen. Genau hier liegt aktuell die größte Herausforderung des Lebensmittel-Onlinehandels.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat insgesamt 32 Onlinehändler von Lebensmitteln durch diverse Testeinkäufe auf Produktverpackung, Lieferzeit, Frische und notwendige Kühlung geprüft. Mit folgendem Ergebnis: Die Lieferung erfolgte meist reibungslos und zum gewünschten Zeitpunkt. Die Kühlkette wurde in den meisten Fällen jedoch nicht eingehalten.[6] Hinsichtlich Logistik und Frische gibt es also noch allerhand zu tun.

Fazit: Einkaufswagen schieben war gestern

Während man vor einigen Jahren noch einen überfüllten Einkaufswagen zur Supermarktkasse schob, ist es mittlerweile auch der digitale Warenkorb, der regelmäßig gefüllt wird. Bisher landen zwar meist Kleidungsstücke und Technikartikel darin, doch auch die schnelldrehenden Konsumgüter wie Lebensmittel werden künftig nachziehen. Vorausgesetzt, Händlern und Herstellern gelingt es, das Grundvertrauen in den Onlinehandel zu stärken und ihre Kunden langfristig zu binden. Dem sehen wir positiv entgegen. Immerhin haben Mode- und Technikhersteller es vor einigen Jahren schon einmal geschafft, die „Vertrauens-Hürde“ zu überwinden und den neuen Vertriebsweg „Onlineshop“ in den eigenen Kundenkreisen zu etablieren.

Gelingt der Vertrauensaufbau widererwartend nicht, sprechen wir dem digitalen Lebensmittelhandel langfristig keinen großen Erfolg zu. Einem flächendeckenden Filialnetz mit knapp 39.000 stationären Lebensmittelgeschäften stehen knapp 180 Onlinehändler für Lebensmittel gegenüber. Da wird schnell deutlich, wer am längeren Hebel sitzt – zu mindestens noch.

Sie haben bereits Lebensmittel in einem Onlineshop bestellt? Dann erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen in einem Kommentar oder auf unserer Facebook-Seite. Wir freuen uns auf Ihre Meinung!

 

 

[1] Prognose der GfK verfügbar unter https://www.welt.de/wirtschaft/article144340416/Warum-wir-Lebensmittel-bald-doch-im-Internet-kaufen.html

[2] Statistik zu den beliebtesten Produkten beim Onlineshopping in Deutschland verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/183224/umfrage/online-shopping—top-5-produkte-und-dienstleistungen/

[3] Ergebnisse der Umfrage verfügbar unter http://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2017/01/25/17-01-11_forsa_vzbv_digitalisierung_im_lebensmittelmarkt.pdf

[4] Statistik zu Gründen für Onlineshopping verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/219677/umfrage/gruende-fuer-online-shopping/

[5] Umfang des Sortimentes verfügbar unter https://www.welt.de/wirtschaft/article164232416/Amazon-Fresh-bietet-Kunden-ein-unfassbares-Sortiment.html

[6] Vollständige Untersuchung verfügbar unter https://ssl.marktwaechter.de/sites/default/files/downloads/e-food_im_frischemarkt_-_vollstaendige_untersuchung.pdf

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