Vine Marketing Best Practice: Oreo

Beitrag verfasst: 1. Februar 2016 von Timo Koschig

In sechs Sekunden eine witzige und interessante Geschichte zu erzählen ist nicht einfach. Selbst für die meisten Witze braucht man länger und auch bei dem beliebten Elevator Pitch, bei dem man versucht, jemanden über die Dauer einer Aufzugsfahrt von einer Geschäftsidee zu überzeugen, hat man meistens 30 bis 60 Sekunden Zeit, um auf den Punkt zu kommen. Sechs Sekunden, dass ist die Zeitspanne, die man hat, um auf der Videoplattform Vine seine Geschichte zu erzählen.

Das Startup wurde 2012 von Twitter aufgekauft, bevor es überhaupt online gehen konnte. Diese Akquise scheint im Nachgang auch überaus plausibel, denn beide Unternehmen haben gemein, dass sie ihre Nutzer zur Verknappung und Verdichtung der eigenen Botschaft zwingen – bei Twitter reguliert durch 140 Zeichen, bei Vine über die Videodauer.

Mit Vine Geschichten erzählen

Vine ist ähnlich wie Instagram nicht nur eine App, die einem dabei hilft, eigene Inhalte zu erstellen, sondern diese auch in der angeschlossenen Community zu verbreiten.

Die Möglichkeiten zur Bearbeitung der Videos sind zwar begrenzt, dennoch gelingt es vielen Vinern, erstaunlich kreative und überzeugende Geschichten zu erzählen. Dabei nutzen sie oft die Stop-Motion-Technik. Diese bietet sich für Vines auch an, weil man das Video nicht komplett an einem Stück aufnehmen muss, sondern es sequenziell filmen kann. Die App ermöglicht es einem dann, diese einzelnen Sequenzen so zu montieren, dass eine Handlungsabfolge entsteht. Speziell für diese Technik gibt es eine sogenannte Ghost-Funktion. Dabei wird das letzte aufgenommene Bild transparent über die aktuelle Videoaufnahme gelegt. Diese Hilfestellung ist wertvoll, um Bewegungen zu synchronisieren, da man so weiß, welche Einstellung man mit der Kamera wählen muss, um an die alte anzuschließen.

Eine andere Eigenart der mit Vine produzierten Videos ist, dass sie nach Ablauf wieder von vorne starten. Dies lädt dazu ein, eine andere sehr beliebte Video-Art in der Vine-Szene zu produzieren. Ein sogenannter Loop, also Videos, die mit dem gleichen Bild aufhören, mit dem sie begonnen haben. Es ergeben sich Endlosschleifen. Diese werden deshalb häufig genutzt, weil man ab und an die Pointe des Videos aufgrund der Kürze nicht sofort versteht oder der optische Effekt einfach so interessant ist, dass man ihn sich gern noch einmal anschaut.

Vine Marketing: So nutzen Unternehmen die App

Das Thema Bewegtbild spielt im digitalen Marketing eine immer wichtigere Rolle. Sei es YouTube, Facebook oder Snapchat – auf allen sozialen Netzwerken werden Unternehmen mit Video-Formaten aktiver und die Plattformen tun einiges, um diese Aktivitäten ihrerseits zu unterstützen. Bewegtbildformate sind bei Werbetreibenden deshalb so beliebt, weil man mit ihnen Geschichten erzählen kann, die leicht zu rezipieren sind. Bilder können meist nicht die Menge an Informationen transportieren und reine Texte werden im Netz nur dann gelesen, wenn sie die entsprechende Person wirklich interessieren.

Auch wenn sich Vine in Deutschland weiterhin unter dem Radar der Social Media Nutzer bewegt, so ist das eigentlich interessante nicht die Plattform an sich, sondern das sechs-sekündige Videoformat, das die App ermöglicht. Ähnlich wie die verwandte GIF-Animation laden Vines dazu ein, sie über andere soziale Netzwerke zu veröffentlichen oder sie auf seinem Blog oder der eigenen Website einzubinden. Die kurze Form macht sie gerade auch auf dem Smartphone und unterwegs leicht konsumierbar. Zudem bietet Vine eine kreative Möglichkeit mit seinen Kunden in Form von User generated Content zu interagieren. So rief beispielsweise der Disney Park dazu auf, Vines zu gestalten, die etwas mit dem Unternehmen zu tun haben. Die besten Beiträge wurden auf der Unternehmens-Vine-Seite geteilt und erhielten 1.000 $. Das Gewinnervideo bildete das animierte Disneylogo, das vor jedem Film gezeigt wird, mit Badezimmerutensilien nach:

Warum Oreos Vine-Auftritt funktioniert

Der amerikanische Kultkekshersteller hat schon früh begonnen, über Vine zu werben. Oreo gelingt es, über die Eigenheiten des Formats die Markenbotschaften zu transportieren. Die Videos sind witzig, unterhaltsam, überraschend und einfallsreich. Man weiß nie so genau, was als nächstes passiert. Die beiden meistverwendeten Video-Elemente sind der klassische Oreo Keks und ein Glas Milch, da diese in Amerika gern zusammen gegessen und gedippt werden.

Unter dem Hashtag #OreoSnackHacks beispielsweise zeigt Oreo, was man mit den Keksen noch machen kann, außer sie direkt zu essen. Es sind quasi kleine Rezeptvorschläge bzw. Tipps, was man noch mit einem Oreo-Aroma verfeinern könnte:

Auch die in der Vine-Community beliebte Loop-Form wird von Oreo bedient. In diesem speziellen Fall sogar als kleines Spiel. Man soll das Video genau in dem Moment anhalten, wo der Keks ins Glas tunkt:

Ein weiteres Merkmal, dass die Vine-Seite von Oreo auszeichnet, sind die vielen kleinen Anspielungen. Als Halloween-Aktion wurden so beispielsweise klassische Horrorfilme nachgestellt. In diesem Fall, man ahnt es, eine Szene aus Shining:

Fazit: Vine – Bewegtbild für unterwegs

Auch wenn Vine nicht die Nutzerzahlen von Facebook hat oder die Wachstumsrate von Snapchat aufweisen kann, so ist die Video-App doch ein kleines Juwel unter den Bewegtbild-Anbietern. Das Vine-Format ist durch die zeitliche Limitierung und den Loop-Charakter wie gemacht für das Nutzungsverhalten von Onlinern. Die Bildsprache ist für Unternehmen noch immer etwas Neues und eine willkommene Abwechslung zu den perfekt produzierten Werbespots, die man sonst aus dem Fernsehen oder von den Unternehmensseiten kennt.

2 Kommentare

  • Sascha Wildenhain 18. Juli 2016 at 9:17

    Toller Artikel, weiter so !

    Antworten
    • Carla Maria Hoppe 18. Juli 2016 at 9:23

      Vielen Dank für Ihr positives Feedback! 🙂

      Antworten

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