Augmented Reality am POS

Beitrag verfasst: 31. Oktober 2016 von Carla Maria Hoppe

Den Kunden am POS aktivieren – das gelingt heute nicht mehr allein mit Markenname oder Preisknaller. Moderne, vor allem aber auch junge und medienaffine Kunden erwarten mehr Nutzererlebnis als ein rotes Rabattschild am Regal oder einen Aufsteller. Genau hier setzt Augmented Reality an, indem es den Anwendern ein interaktives Nutzungserlebnis direkt am POS bietet.

Was ist Augmented Reality?

Während den meisten mittlerweile Virtual Reality ein Begriff ist, können viele mit dem Thema Augmented Reality noch nicht viel anfangen. Dabei finden erste Konzepte bereits aktiv in der Praxis Anwendung, werden oftmals aber mit Virtual Reality verwechselt. Der Unterschied zwischen beiden Verfahren liegt darin, dass bei Augmented Reality die Realität erweitert wird, während Virtual Reality die reale Umgebung vollständig durch eine computergenerierte Umgebung ersetzt.

Augmented Reality ermöglicht zum einen eine dreidimensionale Produktdarstellung und dient zum anderen dazu, dem Nutzer erweiterte Informationen zur Verfügung zu stellen. Diese werden in Echtzeit und in der lokalen Umgebung zur Verfügung gestellt, sodass die Zielperson emotionalisiert wird, ohne sich vom eigentlichen Anknüpfungspunkt zu entfernen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Betrachtung von Augmented Reality ist die Möglichkeit der Gamifizierung (meint die Verwendung spieltypischer Elemente in einem Umfeld, das eigentlich gar nicht zum Spielen gedacht ist). Augmented Reality gibt den Kunden virtuell spielerisch die Möglichkeit, die Brücke der fehlenden physischen Verbindung zur Ware zu überbrücken. Die damit einhergehende Emotionalisierung des Produktes führt zu einer Erleichterung der Kaufentscheidung.

Was kann Augmented Reality leisten?

Der Einsatz von Augmented Reality bietet sowohl den Markenherstellern als auch dem Handel Vorteile. Da die Verwendung von eigenständigen Apps zur Nutzung der Augmented Reality Anwendung notwendig ist, sind die Möglichkeiten am POS limitiert, während dauerhafte Anwendungen auf den Produkten durchaus großes Potential besitzen.

  • Erweiterte Informationen in Echtzeit am POS zur Verfügung stellen
  • Aufmerksamkeit des Nutzers wird nicht vom Produkt abgelenkt
  • Kaufbereitschaft erhöht sich durch Emotionalisierung des Produkts
  • Spielerische Erhöhung des Involvements der Zielgruppe
  • Komplexere Produkte lassen sich einfach interaktiv erklären
  • Verbraucher erinnern sich länger an die Interaktion mit dem Produkt

IKEA & Co. machen es vor

Seit 2013 gibt es ihn – den IKEA Katalog mit Augmented Reality App. Er zielt auf eine Kundengruppe, die sich schon für IKEA begeistert, jedoch noch unsicher ist in der Auswahl der Produkte. Nun aber haben diese Kunden die Möglichkeit, das Möbelstück mittels einer App direkt in ihre reale Umgebung zu integrieren und zu überprüfen, ob es stimmig ist. Der Kaufwunsch wird verstärkt und umgesetzt, weil dem Kunden die Sicherheit und das Vertrauen gegeben werden, den Kauf nicht zu bereuen.

Verpackungen sind voll mit nützlichen Informationen, andererseits aber auch damit überladen. Heinz Ketchup lieferte in Kooperation mit Blippar eine Lösung für die Unterbringung zusätzlicher Informationen – Augmented Reality, welche die Flasche erkennt und dem Nutzer Mehrwert bietet. Im Rahmen der Umsetzung entstand ein Rezeptbuch, das in der App digital direkt am Produkt geblättert werden konnte. Für alle, die einfach nicht wissen, was man mit Ketchup so machen kann…

Spannend an der Umsetzung von Heinz Ketchup ist die Tatsache, dass nicht nur ein einmaliger Informationszweck direkt am POS bedient wird. Der Anwender wird im Gegenteil durch das kleine Rezeptbuch immer wieder animiert, auch zu Hause am Kühlschrank noch die Ketchup-Flasche zu scannen und sich mit den angebotenen Rezepten zu beschäftigen.

Ein weiteres Konzept stammt von LEGO und heißt LEGO „Digital Box“. Hier bietet ein Bildschirm direkt am POS Kunden die Möglichkeit, den Karton abscannen zu lassen und das fertige Objekt visuell und in 3D zu betrachten. Der Kunde kann so umfassend über das Aussehen des Produktes informiert und begeistert werden. Und er hat die Verpackung schon mal in der Hand.

Ein ähnliches Konzept gibt es bereits für Beauty-Produkte. Mithilfe eines von der Kundin direkt am Bildschirm oder Mobilgerät aufgenommenen Fotos, bieten Augmented Reality Anwendungen die Möglichkeit, Make-up live auszuprobieren – und das ohne lästiges Abschminken und in Echtzeit direkt am POS. Die Kundinnen befinden sich dann schon in der gewohnten Kaufumgebung, werden direkt mit einem realistischen Eindruck am eigenen Gesicht abgeholt und zum Kauf motiviert.

PiCK UP! bringt Augmented Reality an den POS

Mit der Einführung von PiCK UP! Minis brachte Bahlsen als erstes deutsches Unternehmen Augmented Reality an den POS und etablierte sich damit als Vorreiter für die digitale Vernetzung von Online- und Offline-Kampagne. Nutzer mit installierter PiCK UP! Live-App hatten die Möglichkeit, eine innovative Interaktion mit dem aufgestellten Display einzugehen. Scannte man dieses ab, so erschien ein virtueller PiCK UP! Walking Act auf dem Bildschirm des eigenen Smartphones, mit dem anschließend direkt vor Ort ein Foto gemacht werden konnte.

Genervte Kinder beim Einkaufen? Passé! Mit einer Augmented Reality Anwendung wie PiCK UP diese geboten hat, wird kleinen und großen Kindern ein positives, spaßiges und aktivierendes Erlebnis geboten und aus der einst stressigen Situation wird ein entspanntes Einkaufserlebnis für die ganze Familie. Der Vorteil für Handel und Marke liegt klar auf der Hand, denn Promotion-Personal wird nicht benötigt, der Abverkauf aber dank Emotionalisierung dennoch erhöht.

Was fehlt, ist das haptische Erlebnis, den Riegel in der Hand oder eben im Arm zu haben. Eine noch größere Hürde jedoch stellt dar, dass der interessierte Nutzer eine eigene Anwendung herunterladen muss, um das Display nutzen zu können. Da die Anwendung allerdings auch nur am POS direkt am Aufsteller funktioniert und nicht mit der Packung zu Hause, ist der Nutzer zu einer Wiederkehr an den POS gezwungen. Diese Unterbrechung erfordert von der Zielgruppe sehr viel Eigeninitiative, während der Anknüpfungspunkt längst aus den Augen verloren ist.

Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, einen entscheidenden Mehrwert zu bieten. Immer wenn vom Nutzer eine Aktion erforderlich ist, muss der Nutzen für ihn klar erkennbar sein. Dabei muss es kein komplettes Rezeptbuch sein wie bei Heinz. Gerade am POS sind Rabattaktionen und Gewinnspiele doch vorstellbar. Anstatt einen Papierzettel in eine Box zu werfen, an der nach dem ersten Tag bereits der Kugelschreiber zum Ausfüllen fehlt, gestaltet sich eine Teilnahme am Smartphone einfacher.

„Eine junge Marke mit Spaßfaktor kann diesen im Handel erfolgreich nutzen“, erklärt Claudia Rivinius, Marketing Director der STI Group, im Interview mit POS kompakt. „Anders – also digital vernetzt und mit originellem Markenerlebnis – macht in diesem Fall sicherlich auch erfolgreicher. Entscheidend ist dabei die Zielgruppe. Augmented Reality-Anwendungen sind für medienaffine junge Käuferschichten besonders gut geeignet. Sie animieren zur aktiven Beschäftigung mit der Marke und setzen auf emotionales Erleben. Cross Channel-Konzepte wie der PiCK UP! minis Launch setzen Standards für POS-Konzepte der Zukunft.“

In Augmented Reality steckt noch viel Potential

Wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem technischer Fortschritt ein sich immer schneller drehendes Rad ist. Was heute schon an technischen Möglichkeiten vorhanden ist, wird noch gar nicht in dem großen Umfang genutzt, in dem es Nutzen bieten könnte. (Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel „Der Supermarkt der Zukunft“.) Das trifft auch auf Augmented Reality zu.

Eine große Hürde ist – wie bei PiCK UP! gesehen – die Notwendigkeit der Installation verschiedener herstellerbezogener Apps durch den Nutzer oder die Integration verschiedener herstellerbezogener Aufsteller durch den Handel. Vereinheitlichte Technologien könnten hier Abhilfe verschaffen. Wenn es egal ist, ob Anwender den Heinz Ketchup oder die Bedienungsanleitung des neuen Staubsaugers scannen, dann wächst die Bereitschaft, sich diese eine zentrale App auf dem Smartphone zu installieren. Und auch der Handel hätte sicherlich einen Platz für den Bildschirm übrig, der Kunden 3D-Eindrücke verschafft. Bedenken wir hier nur die Menge an Verpackungen, die bis nach dem Bezahlvorgang geschlossen bleiben würden.

2 Kommentare

  • Apple_Iphone 24. Juli 2017 at 18:02

    Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

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    • Nadine Elsner 5. September 2017 at 12:15

      Vielen Dank für dein positives Feedback! 🙂

      Antworten

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