Der Supermarkt der Zukunft

Beitrag verfasst: 30. August 2016 von Carla Maria Hoppe

Während sich das Kaufverhalten der Kunden ändert und an den neuen technischen Möglichkeiten orientiert, gilt es für Marken und den Handel gleichermaßen mitzuwachsen. Die neue Aufgabe heißt, zeitgemäße digitale Anreize schaffen und den Kunden genau da abholen, wo er sich mit seiner Erwartungshaltung und seinem technischen Knowhow befindet.

Das Kaufverhalten ändert sich

Schon heute hat sich das Einkaufen im Vergleich zu noch überwiegend analogen Zeiten verändert. Während Kunden früher den stationären Handel aufsuchten, sich je nach Produkt vom Fachpersonal beraten ließen und eine Kaufentscheidung direkt vor Ort trafen, sind sie heute bereits vor Betreten des Ladens bestens informiert – und das oftmals sogar besser als der Verkäufer vor Ort.

Dies trifft auf größere Investitionen wie auch auf den alltäglichen Einkauf im Supermarkt gleichermaßen zu. Der Kunde weiß, was er will – seien es die bevorzugten Marken oder einfach nur die Produktauswahl, die sich aus eigenem Lebensstil  und Gewohnheiten entwickelt haben. (Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel „„Du bist, was Du isst!“ – Wertewandel fordert Umdenken“.) Kunden hier abzuholen und an die eigenen Produkte heranzuführen, ist eine große Herausforderung und nicht mehr nur eine Aufgabe der Marken, sondern ebenso auch eine Aufgabe des Handels.

Kunden wollen digital abgeholt werden – oder?

Das zur Verfügung stellen von WLAN im Einkaufszentrum oder sogar direkt im Markt ist nur ein Schritt in Richtung Digitalisierung des Einkaufserlebnisses. Es ist aber auch gleichzeitig ein Türöffner in Richtung Kunden-Apps, die direkt im Markt genutzt werden können. Unter dem Stichwort „Instore Navigation“ wurden bereits erste Konzepte in der praktischen Anwendung getestet.

Eine App, die Instore Navigation bietet, kann mehr, als den Kunden anhand seines Einkaufszettels durch den Laden zu navigieren und ihm so unnötige Laufwege zu ersparen. Zusätzlich bereits im Einsatz in Storetests war das Scannen von Produkten zu Hause und direkt im Markt, aber auch die Rezeptfunktion mit Ergänzung des Einkaufszettels. Vorstellbar wären auch das direkte Bezahlen mit der App, spezifische Produktempfehlungen in Bezug auf das bisherige Einkaufsverhalten oder die Verfügbarkeit von Sonderaktionen in Kooperation mit den Hersteller-Unternehmen.

Welche Kunden-Apps sind heute im Einsatz? In Schweden gibt es gleich einen ganzen Laden, der nur mithilfe einer App betretbar und nutzbar ist.[1] Saturn in Ingolstadt testet gerade eine Instore Navigation App zur besseren Produktauffindung.[2] Und in einigen Filialen von Globus kann man bereits heute seinen Einkauf während der Zusammenstellung für das Bezahlen vorscannen.[3] Insgesamt klingt aber das, was von der großen Idee Instore Navigation und Digitalisierung des Handels übrig geblieben ist bzw. nicht umgesetzt wurde, für Deutschland eher nach einem Rückschritt der Digitalisierung – zumindest was die Verknüpfung von online und offline betrifft.

Einst innovativ und zukunftsweisend war das Konzept von Emmas Enkel. Als Symbiose von Online-Lebensmittelhandel und lokalem Ladengeschäft, in dem man seine Online-Einkäufe auch abholen konnte, gedacht, wurde das Unternehmen mittlerweile verkauft. Die Schaufensterscheiben mit Regal-Folierung, an denen man mittels QR-Code die Waren direkt und beinahe spielerisch im Vorbeigehen in den Warenkorb packen konnte, sind von nun an Geschichte. Nach der Übernahme werden die Ladengeschäfte geschlossen. Die Metro AG behält von Emmas Enkel lediglich das Onlinegeschäft.[4]

In Deutschland konnte sich das Konzept der Lebensmittel-Lieferung jedoch insgesamt noch nicht durchsetzen. In „So „kochen“ die Millennials“ berichteten wir bereits über Trend und Konzept der Kochboxanbieter. Dabei beleuchteten wir auch, dass laut einer Studie lediglich 1% des Umsatzes in der Lebensmittelbranche durch E-Commerce erzielt wird. Ob Emmas Enkel hier eine Wende schafft?

Handel bietet den Kunden neue Anreize

Supermärkte sind heute keine reinen Einkaufsorte mehr, sondern treten selbst als eigene Marke auf. Frische Produkte, transparente Warenpräsentation und ein rundum zufriedenes Einkaufserlebnis – diese Ziele sind dann trotzdem bei allen gleich. Neue Ladenkonzepte beinhalten großzügige Warenpräsentationsmöglichkeiten, kundennahe Kommunikation an den Regalen und Verkaufsaufstellern, helle, offene und freundliche Frischetheken und Kühltruhen. Einige Märkte beginnen, den Trend des Außer-Haus-Verzehrs weiter aufzugreifen und bereiten Essen frisch im Supermarkt zu. Eine Backstube gehört mittlerweile oftmals bereits zum guten Ton.

Kostenlose Kundenmagazine – wie Edeka, Rewe, Rossmann oder dm sie anbieten – informieren den Kunden einerseits über aktuelle Trends und bieten andererseits dem Handel und auch Marken die Plattform, ihre Produkte gezielt zu bewerben. Eingebettet in Rezepte oder Empfehlungen wirkt die Werbung hier nicht störend, sondern wird vom Kunden eher als positiver Nutzen wahrgenommen. Immerhin ist genau angegeben, mit welchen Produkten sich das optimale Ergebnis erzielen lässt. Und ganz nebenbei binden sie den Kunden auch noch an die dahinter stehende Kette.

Supermärkte greifen aber in ihrer Eigenständigkeit auch Trends auf und verwandeln diese in innovative Konzepte für ihren eigenen Laden. Während immer mehr kleinere Läden eröffnen und der Unverpackt-Bewegung ein neues Einkaufserlebnis bieten, zeigt ein Edeka-Markt, wie Mehrweg-Verpackungen an Frischetheken trotz strenger Hygiene-Auflagen möglich gemacht werden können.[5] Nach der Entwicklung der Mehrweg-Hygiene-Schleuse, die mittels UV-Strahlen mitgebrachte Verpackungen sterilisiert, stellte sich zwar heraus, dass einfache Tablets auch ausreichen. Aber machen solche Ideen, Erfindergeist und daraus resultierende Innovationen Schule, öffnen sich wiederum ganz neue Türen, die Supermärkte von morgen mitzugestalten.

Fazit: Handel & POS der Zukunft bieten neue Möglichkeiten

Supermarkt der Zukunft? Wir glauben, da geht noch was. Die fortschreitende Digitalisierung in allen Bereichen unseres Lebens erfordert auch vom Handel schlussendlich Reaktionen. Der POS hat noch Nachholbedarf und viel Potential in Bezug auf die Nutzung digitaler Möglichkeiten. Marken – die digital immer aktiver werden und neue Konzepte entwickeln – werden schließlich Einfluss nehmen auf die Gestaltung am POS. Und letztlich werden dies auch die Kunden fordern. Denn schon heute bieten Forschungen Konzepte wie das digitale Preisschild, das flexible Preissenkungen beispielsweise für Frischwaren in den Abendstunden möglich macht, für die nahe Zukunft an.

Erfindungen wie der selbstfahrende Einkaufswagen, digitale Preisschilder mit umfangreichen Informationen, der Einkaufswagen mit Navigations-Software und Produktsuche oder die vernetzte Umkleidekabine, die andere Größen oder passende Kleidungsstücke beim Personal ordert, zeigen auf,[6] dass uns noch vieles erwartet in Bezug auf die Digitalisierung des Einkaufserlebnisses. Immerhin kann sich – funktionieren Prozesse digital – auch das Personal mehr auf den einzelnen Kunden konzentrieren und wieder in einer persönlicheren Beraterrolle auftreten.

 

 

[1] Informationen zum unbemannten Supermarkt verfügbar unter https://www.heise.de/newsticker/meldung/Zahlen-per-App-Unbemannter-Supermarkt-in-Schweden-eroeffnet-3123489.html
[2] Informationen zum In-Store-Guide von Saturn verfügbar unter https://www.saturn.de/de/shop/in-storeguide.html
[3] Informationen zu Scan & Go bei Globus verfügbar unter https://www.globus.de/de/scanandgo.html
[4] „Online-Einzelhandel – Metro schließt „Emmas Enkel“-Filialen“ verfügbar unter https://www.derwesten.de/nrz/staedte/duesseldorf/online-einzelhandel-metro-schliesst-emmas-enkel-filialen-id11986786.html
[5] Informationen zur Mehrweg-Hygiene-Schleuse verfügbar unter https://www.supermarktblog.com/2016/05/05/warum-die-mehrweg-hygiene-schleuse-sofort-nach-ihrer-erfindung-wieder-abgeschafft-werden-kann/
[6] „So sieht die Zukunft des Einkaufens aus“ von Carsten Dierig verfügbar unter https://www.welt.de/wirtschaft/article152665672/So-sieht-die-Zukunft-des-Einkaufens-aus.html

2 Kommentare

  • Backhaus 1. Juli 2017 at 14:17

    Toller Artikel, gefällt mir gut. Ich habe diesen auf
    Social Media geteilt und einige Likes dazu bekommen. Weiter so!

    Antworten
    • Carla Maria Hoppe
      Carla Maria Hoppe 3. Juli 2017 at 8:48

      Vielen Dank dafür! 🙂

      Antworten

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