#eatclean – Beeinflusst Social Media unser Ernährungsverhalten?

Beitrag verfasst: 27. Januar 2017 von Sarah Röder

Es ist Januar. Der Monat der guten Vorsätze. Vorsätze wie „Ich möchte mehr Sport machen“, „Ich möchte abnehmen“ und „Ich möchte mich gesünder ernähren“ führen auch 2017 die Rangliste an und werden sichtbar.[1] Sichtbar vor allem in den sozialen Netzwerken, indem Freunde ihren schick zurechtgemachten Green Smoothie mit dem Hashtag #eatclean posten oder sich mit #workhard im Fitnessstudio markieren. Meist hält dieser Trend jedoch nur zwei, drei Monate an. Oder etwa nicht?

Unser Essverhalten hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt und die gesunde Ernährung ist bei vielen nicht mehr nur ein Trend. Laut der kürzlich veröffentlichten Studie zum Ernährungsverhalten der Deutschen von der Techniker Krankenkasse (TK) „Iss was, Deutschland.“ sind 45 % der Menschen gesundes Essen inzwischen wichtiger als der Geschmack. In der TK-Studie 2013 sah dies noch ganz anders aus.[2]

Studie zum Ernährungsverhalten der Deutschen

Zunächst ein paar Fakten aus der TK-Studie zur Ernährung 2017:

  • 45 % der Deutschen ist gesundes Essen wichtiger als der Geschmack
  • Mit zunehmendem Alter wird gesundes Essen wichtiger
  • 31 % bezeichnen sich als Flexitarier, 2 % als Vegetarier, 1 % als Veganer
  • Im Westen wird mehr Fleisch gegessen
  • Im Süden gibt es die meisten Flexitarier
  • 41 % kaufen Bio-Produkte (Frauen häufiger als Männer)
  • Jeder Fünfte isst täglich Süßigkeiten oder Salzgebäck
  • Jeder Zehnte probiert Ernährungstrends wie Superfoods aus
  • Vielen Menschen fehlt Zeit, Ruhe, Durchhaltevermögen sowie Geld für eine gesündere Ernährung
  • Der Anteil der Lactoseintoleranten ist gestiegen, besonders bei den 18-25-Jährigen (von 1 % in 2013 auf 12 % in 2016)
  • Fast jeder zweite Mann kann wenig oder gar nicht kochen
  • Mehr als jeder Zweite isst zuhause frisch gekochtes Essen
  • Fast jeder Fünfte ist zu bequem oder zu faul, um frisch zu kochen
  • 17 % der Befragten essen regelmäßig vegetarische oder vegane Gerichte
  • 62 % der Männer und 41 % der Frauen essen täglich Fleisch
  • Jeder Fünfte isst ein- bis zweimal pro Woche Convinience-Produkte
  • Rund jeder Dritte isst seine Hauptmahlzeit meist allein
  • Rund jeder Dritte beschäftigt sich neben dem Essen (Fernseher, Internet oder Zeitschriften)
  • Mehr als jeder Zweite isst auch mal unterwegs
  • Fast jeder Dritte kauft zu viel ein
  • Jeder Vierte hat schon einmal eine Diät versucht
  • Jeder Zweite hat schon einmal versucht, seine Ernährung komplett umzustellen

Blogs, Communities und soziale Netzwerke haben einen großen Einfluss auf unser Essverhalten

In unserem Artikel „Du bist, was Du isst! – Wertewandel fordert Umdenken“ haben wir darüber geschrieben, dass die Digitalisierung eine entscheidende Rolle beim Wandel des Essverhaltens spielt und dass vor allem die digitalen Möglichkeiten maßgeblich daran beteiligt sind.

Ob Rezeptideen oder Diättipps – das Thema Ernährung ist in den sozialen Netzwerken angekommen und weit verbreitet. So gehören Koch- und Back-Blogs sowie reger Austausch über angesagte Ernährungsweisen in Communities und sozialen Netzwerken heute zum Online-Alltag. Fast jeder Fünfte teilt sein Essen, ob selbstgekocht oder im Restaurant, inzwischen in den sozialen Netzwerken. Jeder siebte Social Media-Nutzer ernährt sich sogar gesünder, seitdem er Essensfotos onlinestellt und jeder fünfte Nutzer lässt sich durch Fotos anderer Nutzer zu einer gesünderen Ernährung motivieren.[3]

Sie, Ihr Kollege und ich – wir alle sind also Influencer – sei es, dass wir ein Produkt persönlich empfehlen oder in Szene gesetzt fotografieren und bei Facebook posten.

Einige Influencer haben sich eine große Reichweite und eine eigene Community aufgebaut. Sie sind Blogger und berichten bis zu mehrmals täglich über neue Fitnessriegel, Backdekor oder Kochutensilien. Ob Fitness- oder Rezepte-Blogs – die Unternehmen erkennen das Potenzial und nutzen zunehmend die Kanäle reichweitenstarker Blogs als Werbeplattform. Dies hat zum einen den Vorteil, dass eine große Zielgruppe erreicht wird, die bereits ein Interesse an einem bestimmten Thema haben, und zum anderen haben die Meinungsmacher einen großen Einfluss auf die Lebens- und Ernährungsweise der Fans.

Beispiel: Saliha Özcan ist mit Sallys Welt die erfolgreichste Youtube-Köchin Deutschlands:

Leitfaden für Influencer Marketing – Wie finde ich Influencer?

Möchten Sie auch ins Influencer Marketing einsteigen und den Einfluss der Meinungsmacher für sich nutzen? Dann werfen Sie einen Blick auf die nachfolgende Checkliste, die Sie bei der Entwicklung einer Influencer Marketing Strategie unterstützen soll.

Zieldefinition:

  • Was sind Ihre Ziele? Was soll mit dem Influencer erreicht werden? (Backlink, Produktvorstellung, Gastbeitrag, Einlösen von personalisieren Rabattcodes, Newsletter-Anmeldungen etc.)
  • Wer ist Ihre Zielgruppe? (Demografische Merkmale, Interessen etc.)
  • Wie soll der Erfolg gemessen werden? (KPIs festlegen, s. Ziele)

Influencer finden:

  • Was sind die Keywords, die für Sie relevant sind?
  • Recherchieren Sie mit den Keywords bei Google (z. B. mit „inurl: blog Keyword“ oder „site:facebook.com Keyword“), in sozialen Netzwerken und auf Influencer-Portalen nach potenziellen Meinungsmachern

Influencer analysieren und bewerten:

  • Wie viele Fans, Follower und Abonnenten hat der Influencer und wie ist der Zuwachs? (Achtung vor gekauften Fans!)
  • Wie häufig werden Beiträge gepostet? (Regelmäßigkeit hat positiven Einfluss auf Algorithmen)
  • Wie qualitativ hochwertig und interessant ist der Inhalt (Bilder, Videos, Sprache, Text analysieren)
  • Ist der Influencer authentisch, glaubwürdig und überzeugungsstark? (Influencer, die Produkte penetrant bewerben, werden schnell von ihren Followern abgestraft durch Abwanderung, Desinteresse o.ä.)
  • Wie gut werden deren Webseiten und sozialen Kanäle bei Google gelistet?
  • Wie sieht die Zielgruppe des Influencer aus und passt sie mit Ihrer Zielgruppe überein? (Ggf. Media Kit[4] einsehen)
  • Interagieren die Follower mit dem Influencer? (Views, Kommentare, Beiträge, Likes, Shares beachten)
  • Wie ist die Beziehung zu den Followern? (Kommentare (an)lesen)

Influencer beobachten:

  • Sammeln Sie für sich relevante Influencer
  • Folgen und beobachten Sie den Webseiten und Kanälen über einen bestimmten Zeitraum

Influencer ansprechen und Content liefern:

  • Sprechen Sie den Influencer persönlich, individuell und wertschätzend an
  • Schauen, ob Sie den Influencer persönlich treffen können (z. B. Blogger-Konferenz, Messe oder Events)
  • Schütten Sie den Influencer nicht gleich mit Werbematerialien zu, sondern besprechen Sie erst einmal Ihr Anliegen
  • Machen Sie sich Gedanken über eine Gegenleistung (Vergütung, hochwertige Produktpakete, VIP-Einladung, Blogger-Event, personalisiere Rabattcodes für den Onlineshop etc.)
  • Wenn der Influencer zusagt, stellen Sie ein Kampagnenbriefing zusammen (Zeitpunkt oder Zeitraum des Beitrags, zu verwendende Hashtags oder Links etc.)

Erfolg messen:

  • Wie erfolgreich war die Arbeit mit dem Influencer? (KPIs heranziehen und entscheiden, ob eine weitere Zusammenarbeit infrage kommt)

Beziehung pflegen:

  • Wichtig: Bauen Sie eine intakte Beziehung auf und pflegen Sie diese langfristig

Fazit

Die sozialen Netzwerke verändern unsere Ernährungsgewohnheiten. Auch ich habe festgestellt, dass meine Bereitschaft durch die Digitalisierung gewachsen ist, mich mit Themen wie z. B. Inhaltsstoffe und Tierhaltung auseinanderzusetzen oder Erfahrungsberichte und Meinungen anderer zu lesen. Dies hat nicht nur mein Wissen erweitert, sondern tatsächlich auch dazu geführt, dass ich mich heute bewusster ernähre und mich inzwischen zu den 31% der Flexitarier geselle. Ja, auch ich habe mich wie jeder fünfte Social Media-Nutzer zu einer gesünderen Ernährungsweise motivieren lassen – oder vielleicht beeinflussen lassen?

Viele Unternehmen haben das Potenzial des Influencer Marketings erkannt, haben aber an manchen Stellen noch Nachholbedarf, wie z. B. in der Ansprache. Ich selbst bin hobbymäßige Food-Bloggerin und bekomme Kooperationsanfragen. Kooperationsanfragen, die jedoch austauschbar sind und für mich keinerlei Nutzen bringen (z. B. Produktvorstellung als Blogbeitrag inkl. Backlink gegen Produkt meiner Wahl). Vielen Unternehmen ist scheinbar bislang nicht bewusst, dass Blogger eine Menge Zeit in ihre Arbeit investieren, um z. B. Ihre Reichweiten zu vergrößern oder um Follower ständig bei Laune zu halten. Und leider sind viele, insbesondere junge Unternehmen (noch) nicht bereit für Leistungen wie Backlinks, ausführliche Blogartikel, Produktvorstellungen und -inszenierungen in sozialen Netzwerken eine adäquate Gegenleistung zu erbringen.

Erzählen Sie uns Ihre Erfahrung in einem Kommentar oder auf unserer Facebook-Seite.

  • Hat sich Ihr Essverhalten aufgrund der Digitalisierung verändert?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Influencer Marketing bereits gemacht?

Ach, und um meine Frage vom Anfang zu beantworten: Die „ich ernähre mich ab dem 01.01. gesünder und werfe meine Vorsätze im März wieder über Bord“-Personen wird es wohl immer geben. Auch im vergangenen Jahr haben 44 % Ihre Vorsätze spätestens im März wieder über Bord geworfen.[5]

 

[1] Statistik über die guten Vorsätze der Deutschen für das Jahr 2017 verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/653996/umfrage/umfrage-zu-den-guten-vorsaetzen-fuer-das-neue-jahr-in-deutschland

[2] TK-Studie zur Ernährung 2017 verfügbar unter https://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/934342/Datei/187742/TK-Ern%C3%A4hrungsstudie%202017%20Pdf%20barrierefrei.pdf

[3] TK-Studie zur Ernährung 2017 verfügbar unter https://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/934342/Datei/187742/TK-Ern%C3%A4hrungsstudie%202017%20Pdf%20barrierefrei.pdf

[4] Media Kit enthält Informationen über den Blogger und seine Kanäle (inkl. Statistiken).

[5] Statistik über die guten Vorsätze der Deutschen für das Jahr 2016 verfügbar unter https://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Sport-Gute-Vorsaetze-Deutschland-einhalten-Neujahr-14661527.html

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