Faszination Bewegtbild

Beitrag verfasst: 10. November 2016 von Mara Granz

Mal eben auf YouTube das neueste Video von Bibis Beauty Palace[1] anschauen, nebenbei der besten Freundin ein lustiges Snap schicken und anschließend nochmal kurz durch Facebook scrollen, um das neue Tasty-Vine[2] zu liken – so oder so ähnlich sieht der Alltag eines Jugendlichen im Jahre 2016 aus.

Dass die zunehmende Digitalisierung heutzutage einen viel größeren Einfluss auf die Bevölkerung hat als noch vor einigen Jahren, ist nun wirklich nichts Neues. Das betrifft insbesondere Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Dennoch ist hinsichtlich der Inhalte ein deutlicher Wandel zuerkennen. Wo zuvor noch Fotos die Social Media-Kanäle füllten, sind nun immer mehr Clips und Videos zu finden. Sogar Kanäle wie Instagram, die anfangs ausschließlich der Veröffentlichung von Fotos dienten, rüsten um und ermöglichten somit das Teilen von Videoinhalten.

Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind die zahlreichen YouTuber, die sich mittlerweile im Internet tummeln. Nach und nach haben sie das Potenzial von Videoinhalten erkannt und die Chance genutzt, sich über diesen Weg auszudrücken und mit der Welt zu kommunizieren. Doch während Dagi Bee, Sami Slimani und viele weitere begannen, Videos über Make-Up, Styling-Tipps und Fitness-Rituale zu drehen, steckten die Marketing-Mitarbeiter großer Konsumgütermarken die Köpfe zusammen. Eine Frage stand dabei zweifelslos im Raum: Wie können FMCG-Marken Bewegtbild sinnvoll nutzen?

Folgen für Konsumgütermarken

Die Antwort auf diese Frage lautet Empfehlungsmarketing. Während „herkömmliche“ Werbung (gemeint sind hier die zahlreichen Werbeplakate, -spots etc.) den Verbraucher nahezu überflutet, schafft Empfehlungsmarketing Vertrauen. Vertrauen, welches in der Zeit einer unglaublich großen Produktvielfalt auch der persönlichen Orientierung dient. In dieser Hinsicht sind YouTuber nicht mehr nur Produzenten von Videoinhalten, sondern auch Influencer – zu Deutsch „Beeinflusser“. Genau diese Kombination aus Vertrauen und Einfluss auf die Zielgruppe kommt den Konsumgütermarken zu Gute, denn laut Bericht des Medienunternehmens Nielsen vertrauen rund 78% der Deutschen in erster Linie auf persönliche Empfehlungen.[3]

Empfiehlt ein YouTuber in einem seiner Videos also beispielsweise eine Zahnpasta für strahlend weiße Zähne, wird der Konsument diesem viel eher glauben als einem Werbespot im Fernsehen. Das mag wohl an der „Wenn der sagt, dass das Produkt gut ist, dann muss es ja so sein-Einstellung“ liegen. Neben der reinen Empfehlung spielt aber auch die Platzierung des Produktes eine elementare Rolle. Um auf unser Beispiel zurückzukommen –  der YouTuber empfiehlt die Zahnpasta nicht nur, er hält sie dabei auch noch direkt in die Kamera.

Persönliche Meinung kostet

Zahlt ein Unternehmen für genau diese Handlung Geld, sind wir bei dem Stichwort „Product Placement“ angelangt. Laut Definition beschreibt dieser Begriff die gezielte Unterbringung von zu bewerbenden Produkten in Video-Materialien, ohne dass der Verbraucher den werblichen Charakter des Videos erkennt.[4] Für Unternehmen aus der Konsumgüterbranche kann diese Art der Zusammenarbeit mit YouTubern von Vorteil sein, denn junge Konsumenten vertrauen auf die Meinung der sogenannten Influencer und hinterfragen die Werbung keinesfalls so kritisch wie Erwachsene. Es ist für Unternehmen also verhältnismäßig einfach, junge Menschen thematisch abzuholen und sie langfristig an eine Marke zu binden. Abgesehen von den Vorteilen für die Konsummarken selbst, profitieren auch die Influencer von dieser Zusammenarbeit. Auf einen Monat gerechnet verdienen berühmte YouTuber wie beispielsweise Bibis Beauty Palace (2,7 Millionen YouTube-Abonnenten) über 21.000 Euro rein durch Klicks auf YouTube. Hinzu kommen natürlich noch die Einnahmen aus der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Marken.[5]

Fazit: „Clevere Produzenten entern das Videonetzwerk“

Das Thema Bewegtbild ist immer weiter auf dem Vormarsch und wird sich sowohl in diesem, als auch in den kommenden Jahren weiter entwickeln. Experte Christoph Burseg, Gründer des Analyse-Tools Veescore, teilt diese Meinung. Er erwartet, dass noch in diesem Jahr eine neue Generation cleverer Produzenten die Videonetzwerke entere und damit auch das Geld verdiene.[6]

Bewegtbild ist jedoch nicht gleich Bewegtbild. Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Videoinhalte zu produzieren. Von extrem kurzen Vines, über lange Tutorials bis hin zu interaktiven 360-Grad-Videos ist so ziemlich alles denkbar. Nicht nur die unterschiedlichen Formate stellen eine Chance für die Konsumgüterbranche dar, nein auch die Zusammenarbeit mit Influencern kann von Vorteil sein. Ob Product Placement oder Empfehlungsmarketing – YouTuber sind genau dort, wo sich die junge noch unvoreingenommene Zielgruppe bewegt. Nämlich im Internet. Und genau dort können sie durch einen einzigen Beitrag einen weitreichenden Multiplikator-Effekt auslösen. Nicht umsonst haben einige der YouTube-Kanäle bis zu drei Millionen Abonnenten und erfreuen sich weltweiter Beliebtheit.

Abschließend müssen wir jedoch sagen, dass der Grat zwischen Empfehlungsmarketing und Schleichwerbung in der Regel sehr schmal ist. Es ist eben doch nicht immer alles Gold, was glänzt.

 

[1] Kanal von Bibis Beauty Palace verfügbar unter https://www.facebook.com/Bibis-Beauty-Palace-478371152206885/?fref=ts

[2] Kanal von Tasty verfügbar unter https://www.facebook.com/buzzfeedtasty/?fref=ts

[3] Bericht des Unternehmens Nielsen verfügbar unter https://www.nielsen.com/de/de/press-room/2015/Nielsen-Trust-in-Advertising-2015.html

[4] Definition Product Placement verfügbar unter https://marketing-words.com/product-placement/

[5] Informationen zu Einnahmen verfügbar unter https://youtuber-werden.net/youtuber-gehalt-so-viel-verdient-bibisbeautypalace-monatlich/

[6] Meinung des Experten Christoph Burseg verfügbar unter https://t3n.de/news/online-marketing-trends-2016-671915/

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