Instagram Stories: 15 Sekunden Storytelling

Beitrag verfasst: 11. April 2018 von Annika Brauner

Wo man auch hinschaut, überall sieht man Vollbild-Slideshows. Die Rede ist von Stories auf Social Media Plattformen. Snapchat war der Vorreiter der beliebten Story-Funktion. Dass Instagram, Facebook und Co nachgezogen sind beweist, dass die Funktion bei den Nutzern ankommt. Stories können aus Fotos, Videos oder sogenannten Boomerangs (Videoschleifen) bestehen. Die einzelnen Elemente werden im Smartphone-Vollbild dargestellt und automatisch nacheinander abgespielt. Die Verfügbarkeit der Inhalte ist auf 24 Stunden begrenzt und daher sehr schnelllebig und aktuell. Instagram fügte die Funktion im August 2016 seinem Repertoire hinzu und stieß mit der Einführung auf großes Interesse.

Neben privaten Nutzern entdecken auch Unternehmen das Format immer häufiger für sich. Nicht ohne Grund, denn die Zahlen sprechen für sich und unterstreichen das große Interesse der Nutzer an den Unternehmesprofilen. Mehr als 200 Millionen Instagramer besuchen täglich mindestens ein Unternehmensprofil und ein Drittel der am häufigsten angezeigten Stories stammen dabei von Unternehmen. [1]

Inszenierte und hübsch arrangierte Fotos sind Schnee von gestern

Die Stories bieten vor allem eins: absolute Freiheiten bei der Erstellung von Inhalten. Wer jahrelang die strengen Regeln der quadratischen Bilder befolgt hat, kann diese jetzt über Bord werfen. Hier ist Authentizität und Realität gefragt. Gestellte Szenen und künstlich aufgehübschter Content kommen eher weniger gut an. Nutzer verlangen hier eine andere Perspektive mit ehrlichen und ungeschmückten Einblicken. Und genau das zählt beim Storytelling. Gemeint ist einfach gesagt eine Geschichte zu erzählen. In den Stories lassen sich Geschichten in Sequenzen mit aufgelockertem Inhalt kommunizieren. Die Nutzer können über das Format auf persönlicherer Ebene angesprochen werden. Durch die Aktualität vermittelt der Content bei den Nutzern ein Echtheitsgefühl und holt sie mit ihrer Aufmerksamkeit näher zu sich heran. Dass die Strategie aufgeht, zeigen die Ergebnisse einer Studie. Konsumenten interagieren mit Marken im FMCG-Segment am häufigsten über Instagram. Im Vergleich zu der Interaktion auf Facebook sind die Nutzer hier durchschnittlich sogar doppelt so aktiv im Austausch mit den FMCG-Marken. [2]

Visuelle Inhalte, in Form von Bildern und Videos, werden vom Betrachter deutlich schneller erfasst. Lange Texte, in denen man die Geschichte oder die Nachricht zu einem reinen Bildbeitrag übermittelt, liest heutzutage aus Zeitgründen kaum noch jemand. Storytelling über Instagram Stories ist ein optimales Instrument, um die Geschichte hinter der Marke, dem Unternehmen oder der Kampagne zu erzählen, statt nur die fertige Hülle über die Werbemittel am Ende zu präsentieren. Emotionen können viel feinfühliger vermittelt und Zusammenhänge besser darstellen werden.

Feed vs. Stories

Die Wunden der Algorithmus-Umstellungen sitzen bei vielen Unternehmen tief. Reichweiten mussten auf Plattformen wie Facebook und Instagram in letzter Zeit schmerzlicher Weise eingebüßt werden. Öffnet man die Instagram App, stellt man fest, dass die Stories wunderbar präsent über dem normalen Feed platziert sind. Zwar wird auch hier nach Beliebtheit sortiert, doch noch ist das Terrain nicht so eng bebaut wie im Newsfeed. Vor allem im FMCG-Segment setzten die Marken vorwiegend auf die Plattform Facebook. Die Aktivitäten auf Instagram sind dagegen noch deutlich geringer. [2] Ein weiterer Pluspunkt ist, dass Instagram die veröffentlichten Stories von allen Profilen ohne Unterbrechung nacheinander abspielt. Der Nutzer kann also ganz bequem alle Stories an einem Stück anschauen. Die eigentliche Timeline des Newsfeeds rutscht dadurch eher in den Hintergrund und spielt oft nur noch die zweite Geige. Wem das allerdings nicht genügt hat die Möglichkeit seine Stories mit Stories-Ads zu bewerben. Diese werden variabel zwischen die organischen Stories einzelner Profile geschaltet und fließen nativ in den Videofluss mit ein.

Eine bunt gemischte Tüte an Möglichkeiten

Wie so oft sollten Werbetreibende die eigene Zielgruppe kennen und wissen, was bei ihr gefragt ist. Abwechslungsreiche Erzählweisen und unterschiedliche Perspektive erhalten den Spannungsbogen aufrecht und lassen die User gerne zuschauen. Die Stories bieten einen großen Spielplatz an Funktionen, bei dem man sich austoben und seine Inhalte hübsch verpacken kann. Die Fotos, Videos oder das beliebte Boomerang lassen sich mit Stickern, Texten oder Filtern verzieren und ergänzen. In kürzester Zeit können so kompliziertere Sachverhalte oder spannende Einblicke transportiert werden. Eine weitere nützliche Funktion sind die Umfragen. Noch nie war es einfacher, sich Meinungen von seiner direkten Zielgruppe in so kurzer Zeit einzuholen. Kaum hat man die Umfrage veröffentlicht, trudeln auch schon erste Ergebnisse ein. Vorab sollte allerdings anhand der Instagram-Statistiken die optimale Veröffentlichungszeit ermittelt werden, um eine möglichst hohe Reichweite für ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Bei den Verlinkungen auf externe Medien gibt es derzeit von Instagram noch eine Begrenzung. Diese lassen sich erst ab einer Follower-Zahl von 10.000 einbinden. Dies gilt jedoch nicht für Orts- oder Profil-Verlinkungen. Usern werden in der Suche ortsbezogene Stories vorgeschlagen: eine gute Möglichkeit, um auf diese Weise neue Follower zu gewinnen. Besonders gut eignet sich diese Funktion bei Orten, die bekannt sind oder an denen Events stattfinden. Hashtags lassen sich für mehr Reichweite ebenfalls nach Belieben setzen.

Umsetzung in der Praxis

Gerade im FMCG-Bereich lässt sich das Format besonders gut nutzen. Laut der Instagram-Nutzerumfrage gaben 60 % aller Personen an, dass sie auf Instagram von neuen Produkten erfahren. [1]
Einige Lebensmittelhändler und -produzenten haben die Plattform bereits für sich entdeckt und sind dort sehr erfolgreich. Der Bio-Lebensmittelhändler und -produzent Alnatura, mit aktuell 98.200 Abonnenten, kommuniziert über die Story-Funktion unter anderem neue Produkte, zeigt Kunden ihre Filialen oder lädt zum Nachmachen von selbst kreierten Rezepten ein. [3]

Quelle: https://www.instagram.com/alnatura/

Ein zweiter großer Player auf dem Gebiet der Nutzung von Instagram Stories ist Just Spices, der Düsseldorfer Gewürzhersteller, mit aktuell 158.000 Abonnenten. [4] Dieser stellt ebenfalls neue Produkte vor und gibt Inspirationen im Story-Format für Rezeptideen mit den Gewürzdosen.

Quelle: https://www.instagram.com/justspices/

Timing beachten

Nicht nur die Länge der einzelnen Sequenzen ist begrenzt, sondern auch die Verfügbarkeit ist limitiert. Nach 24 Stunden ist die ganze Story schon wieder weg und nicht mehr abrufbar. Doch sollte man dies nicht als absolutes Totschlagargument werten. Betrachtet man das Ganze aus einem anderen Blickwinkel, ist dies genau der Punkt, der die Attraktivität des Contents enorm steigert. Die Kurzlebigkeit der Stories weckt bei den Usern hohes Interesse. Die Gefahr etwas verpassen zu können ist heutzutage ein weitverbreitetes Phänomen. Wir Menschen des 21. Jahrhunderts wollen überall dabei sein, absolut nichts verpassen und all unser Erlebtes auf sämtlichen Plattformen teilen. Das Smartphone ist dabei unser täglicher Begleiter und verbindet uns mit unserer Umwelt. So erleben wir nicht nur unser eigenes Leben, sondern nehmen gefühlt noch an 200 anderer Leben teil.

Wen das noch nicht überzeugt, hat dank der neu eingeführten Story-Highlights die Möglichkeit, den Content nun auch konserviert für die Ewigkeit festzuhalten und auf dem eigenen Profil zu drapieren. Ältere Stories lassen sich gruppiert aus dem Archiv ebenfalls in die Highlights laden. Zu finden sind sie auf dem eigenen Profil unterhalb der Biografie. Zwar lassen sich die Story-Sequenzen in unendlicher Anzahl veröffentlichen. Eine Anzahl von maximal acht Sequenzen sollte aber nicht überschritten werden, da sonst die Abbruchrate vor Beenden der gesamten Story zunimmt. User erwarten kurze und prägnante Botschaften, die sich gut mal eben zwischendurch angucken lassen und keinen großen Zeitaufwand fordern, um den ganzen Inhalt zu erfassen.

Fazit

Ob sich das Format für den eigenen Marketing-Mix und die gesteckten Ziele eignet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass nicht nur quantitative Daten (z. B. die Zahl der Views) am Ende zeigen, wie viel Anklang der Content findet, sondern auch vor allem qualitative. Neben reinen Zahlen lassen sich nämlich auch die Gesichter hinter der Zielgruppe anhand ihrer Profile ermitteln und besser kennenlernen. Es lohnt sich also auch mal Storytelling im vertikalen Vollbildformat auszuprobieren, statt immer nur quadratisch zu denken.

 

 

[1] Die Ergebnisse der Nutzerumfrage zu Instagram finden Sie unter: https://business.instagram.com/getting-started/#why-instagram

[2] Social Media Performance deutscher FMCG-Marken – Studie 2017 verfügbar unter: http://education-gateway.de/market-intelligence_detail_digital-social-value17_fmcg-brands.php

[3] Die Abonnentenzahl von Alnatura ist vom Stand 20.03.2018, Abweichungen sind daher möglich. Aktuelle Zahlen finden Sie unter: https://www.instagram.com/alnatura/

[4] Die Abonnentenzahl von Just Spices ist vom Stand 20.03.2018, Abweichungen sind daher möglich. Aktuelle Zahlen finden Sie unter: https://www.instagram.com/justspices/

Keine Kommentare

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen